Das Gulfhaus

Vortrag im Heimathaus

Ein kulturhistorischer auf eine für unsere Landschaft prägende Bauform

Das Gulfhaus

Das Gulfhaus – auch Gulfhof oder Ostfriesenhaus – ist eine historische Bauernhausform, die sich im 16. und 17. Jahrhundert von den südlichen Niederlanden über die Marschen bis in die friesischen Geestgebiete verbreitete. Sein Verbreitungsraum reichte von Brabant, Limburg und Flandern über Nordholland, Groningen, Ostfriesland und Oldenburg bis nach Schleswig-Holstein und Jütland. Nur im Elbe‑Weser‑Dreieck blieb stattdessen das niederdeutsche Hallenhaus vorherrschend. Zu den ältesten bekannten Beispielen zählen der Gulfhof Rieken (um 1568) und eine Gulfscheune in Woquard (1579).

Bauweise und Struktur

Das Gulfhaus ist ein Holzgerüstbau in Ständerbauweise. Ständer, Balken und Verstrebungen bestehen aus hartem Eichenholz. Innenwände wurden traditionell als Flechtwerk mit Lehmbewurf („getuinte Wände“) ausgeführt. Ein Beispiel für ältere Bauformen zeigt das 1908 abgebrochene Vorderhaus des Kramerhofes in Ostende: eine große zentrale Küche mit offenem Schornstein, flankiert von niedrigen Kammern, sowie ein einfaches, funktionales Raumgefüge.

Der Grundriss trennt klar zwischen Wohn- und Wirtschaftsteil. Ein Flur verbindet alle Wohnräume. Zwischen Wohnbereich und Wirtschaftszone liegt die massive Brandschutzwand, die ein Übergreifen von Feuer aus den Heukammern (Gulfen) verhindern sollte.

Wohnbereich

Winterköken (vordere Küche)

Die Winterküche war Wohnstube, Kochraum und Schlafplatz zugleich. Hier befand sich der Kamin, der vor allem im Winter genutzt wurde. Typisch für ostfriesische Gulfhöfe sind die Block‑Schiebefenster. Geschlafen wurde in Butzen – hölzernen Schlafkojen mit zwei kurzen Betten auf Stroh- oder Reetlagern. Unter den Betten lagerten oft Kartoffeln, an der Decke hingen getrocknete Bohnen.

Upkamer

Die Upkamer liegt erhöht über dem Keller, der wegen hoher Grundwasserstände höher angelegt werden musste. Der Raum diente als Wohnstube oder „Mooi Stuuv“. Vom Flur führt eine Klapptreppe hinauf, darunter befindet sich der Zugang zum gemauerten Keller, in dem Milch und verderbliche Vorräte kühl gelagert wurden.

Keller

Der Keller war ein dunkler, kühler Lagerraum für empfindliche Lebensmittel. Er war über die Upkamer oder eine Luke in der Winterküche erreichbar. Linden vor dem Haus hielten das Mauerwerk trocken.

Sommerküche (hintere Küche)

In der Sommerküche wurde vor allem in den warmen Monaten gekocht. Hier befand sich der „Goetsteen“ mit der einzigen Wasserpumpe des Wohntraktes. Die Sommerküche war ein zentraler Arbeitsraum der Hausgemeinschaft.

Wirtschaftsteil

Gulfe

Die Gulfe bilden das Herzstück des Gulfhauses. Es handelt sich um große, erdgebundene Lagerbereiche für Heu, Getreide und andere Erntevorräte. Viele Höfe besaßen nur einen Gulf; größere Betriebe – wie der Hof der Familie Jütting – verfügten über mehrere.

Ställe

An die Gulfe schließen sich die Stallungen an. Der Pferdestall war meist zweireihig angelegt. Der an der Außenwand liegende Schweinestall war ursprünglich oft ebenfalls ein Pferdestall. Diese Kombination entsprach der typischen Nutzung ostfriesischer Gulfhöfe.

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